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Unterstützung der Gemeinschaft

  

Dankgottesdienst zum 50. Jahrestag der Gemeinschaft Sant’Egidio

10. Februar um 17.30 Uhr in der Lateranbasilika des Hl. Johannes

Die ersten Personen sind 2018 durch die humanitären Korridore in Italien angekommen. Die neue Phase des Projektes, das zum Modell der Gastfreundschaft und Integration für Europa geworden ist


 
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11 September 2012 19:00 | Centre of Sarajevo

Beitrag von Andrea Riccardi - schlusszeremonie



Andrea Riccardi


Historiker, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio

Diese Tage des Dialogs in Sarajewo waren sehr wertvoll. In gewisser Hinsicht ein einzigartiges Ereignis. Ich danke den Menschen dieser Stadt, den Behörden, besonders der Muslimischen Gemeinschaft, der Orthodoxen Kirche, der Jüdischen Gemeinschaft, der Katholischen Kirche.
Nach einem nützlichen Dialog über Schlüsselthemen, nach den verschiedenen Gebeten die einen neben den anderen, schicken wir uns an, einen Appell in Umlauf zu bringen. Wir sprechen mit einer einzigen Stimme, ungeachtet der verschiedenen Religionen und Geschichten. Es ist eine Stimme, die aus der Tiefe der religiösen Traditionen kommt: Sie hat unterschiedliche Grundlagen und Alphabete, aber sie vereinigt sich zu einem Ruf nach Frieden. Ein Ruf steigt auf von Sarajewo, eine Anrufung Gottes, eine Ermahnung: nie wieder Hass oder Bruderkrieg! Die Zukunft heißt Zusammenleben!
Wer wird sich für diese Botschaft zuständig fühlen? Jeder, der glaubt und weiß, dass der Friede ein schöner Name Gottes und das Leben der Völker ist. Die Religionen können dabei helfen, zusammen zu leben, zu verstehen, dass dieser Umstand kein Fluch, sondern ein Segen ist.
Wenn wir diese Stadt verlassen, entfernen wir uns nicht ganz von Sarajewo. Etwas bleibt hier: eine Vision der Hoffnung für dieses Land und eine große Zuneigung. Etwas von Sarajewo bleibt bei uns: sein Schmerz und seine Fragen. Wer den Geist von Assisi lebt, der Dialog im Klima des Gebets ist, hat eine tiefe Verbundenheit mit dieser vielfältigen, verwundeten, wieder aufgebauten Stadt voller Leben und Zukunftswillen. Sarajewo möge eins bleiben und plural! Die Geschichte Sarajewos ist eine Ermahnung.
Es ist eine tiefe Zuneigung zwischen Sarajewo und denen, die den Geist von Assisi leben, entstanden. Europa hat durch seine hohen Institutionen und die Aufmerksamkeit der Medien Interesse an Bosnien-Herzegowina gezeigt. Wir haben Sarajewo nicht vergessen: Die Zukunft dieser Region betrifft die Europäer. Übrigens ist auch die Europäische Union mit ihren vielen Verschiedenheiten ein Feld des Zusammenlebens. Um unter Verschiedenen zusammen zu leben, ist spirituelle Nähe nötig. Es braucht tiefe Bindungen. Die Völker können sich nicht physisch und geographisch einander annähern ohne sich spirituell zu verstehen und zu schätzen. Ohne Geist, ohne Harmonie unter den Religionen und Kulturen, ohne Dialog, ohne menschliche Sympathie ist es nicht möglich zu leben, nicht einmal zu überleben: nicht nur in Sarajewo, sondern in allen Teilen der Welt. Die Religionen helfen den Menschen, in Frieden zu leben. Der Dialog zwischen den Religionen ist ein wirkungsvoller Hinweis für die Kultur, die Politik, die Beziehungen unter den Völkern
Sehen wir ohne Angst in die Zukunft! Aber bereiten wir die Zukunft vor in Zuneigung unter den Völkern. Sehen wir in die Zukunft, ohne uns von den Ängsten der Vergangenheit lähmen zu lassen. Es braucht Mut und Hoffnung, um eine Zukunft des Zusammenlebens in Frieden vorzubereiten. Lassen wir die Vorurteile fallen, die Predigten des Hasses. Wir können die Zukunft gestalten, indem wir Frauen, Männer und Jugendliche zum Frieden erziehen: dass nur der Friede heilig ist, dass das Zusammenleben den Willen Gottes und die Gleichheit der Menschen zum Ausdruck bringt. Eine Gleichheit, die in Gott selbst wurzelt. So sehr, dass, wer einen Menschen tötet, auch Gott selbst trifft. Aber auch, wer ihn hasst und verachtet!
Die Religionen können vorausschauend sein. Wir können allen eine Überzeugung mitteilen, die durch den Kontakt zum Schmerz vieler und zur Erfahrung zahlreicher Völker gereift ist: dass der Krieg ein Übel ist, dass die Gewalt niemals im Namen Gottes gerechtfertigt werden kann. Der Dialog kann helfen, unüberwindliche Probleme zu lösen. Warum werden die Instrumente des Dialogs in Krisensituationen zu oft zurückgestellt, so dass nur der Weg der Waffen bleibt?
Wir haben eine heitere und sichere Vision: Es ist eine uralte und ganz neue Vision. Wir sind ein Bezugspunkt - der Geist von Assisi ist es - in der Vielfalt unserer Religionen: ein Bezugspunkt des Friedens. Seit 1986 beschreiten wir diesen Weg im Geist von Assisi. Große Gläubige haben daran teilgenommen und ihren Beitrag geleistet. Unter vielen anderen erinnere ich an Kardinal Carlo Maria Martini, Abuna Paulos, den Patriarch von Äthiopien, Ghassan Tueni und den Journalisten Giancarlo Zizola und viele andere. Das Erbe von Assisi ist Hoffnung und Prophetie für die Zukunft. Es ist eine große Errungenschaft in einer Welt, die den "Clash of civilisations" und den der Religionen riskiert.
Mehr als zehn Jahre sind seit jenem 11. September 2001 vergangen, als es schien, als stehe ein Konflikt der Religionen vor der Tür. Wir haben immer darauf bestanden, dass es keinen Krieg der Religionen gibt, sondern nur den Missbrauch der Religionen. Wir haben in schwierigen Zeiten und in besseren Momenten darauf bestanden. Das ist das Geschenk einer Friedensvision, die Johannes Paul II. prophetisch in Assisi begründete. Und die wir weiterhin Jahr für Jahr kultivieren als ein Erbe, das wächst.
Jetzt haben wir eine Unerschütterlichkeit und Klarheit der Überzeugungen, die die Kraft darstellt, um sich der Zukunft zu stellen. Deshalb haben wir keine Angst zu sagen: die Zukunft heißt Zusammenleben. Danke für eure Anwesenheit!