Montag, 4. September 2006 -  Santa Maria degli Angeli, Teatro Lyrick
Er�ffnungsveranstaltung

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ASSISI 1986 - ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.



ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE VERTRETER CHRISTLICHER KIRCHEN, KIRCHLICHER GEMEINSCHAFTEN UND DER WELTRELIGIONEN

Basilika des Hl. Franziskus
Sonntag, 27. Oktober 1986

Meine Br�der und Schwestern,
F�hrer und Vertreter der christlichen Kirchen
und kirchlichen Gemeinschaften und der Weltreligionen,
liebe Freunde!

Am Ende dieses Weltgebetstages f�r den Frieden, zu dem Sie meine Einladung angenommen und aus vielen Erdteilen hierhergekommen sind, m�chte ich nun meinen Empfindungen Ausdruck geben als Bruder und Freund, aber auch als einer, der an Jesus Christus und an die katholische Kirche glaubt und der erste Zeuge des Glaubens an ihn ist.

Es ist in der Tat meine Glaubens�berzeugung, die mich euch, den Vertretern der christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften und Weitreligionen, in tiefer Liebe und Achtung zugewandt hat.

Wenn es auch zwischen uns viele und bedeutsame Unterschiede gibt, so gibt es doch auch einen gemeinsamen Grund, von wo her es zusammenzuarbeiten gilt f�r die L�sung dieser dramatischen Herausforderung unserer Zeit; wahrer Friede oder katastrophaler Krieg?

Zum ersten Mal in der Geschichte sind wir, christliche Kirchen und kirchliche Gemeinschaften und Weltreligionen, von �berall her zusammengekommen an diesem heiligen, dem hl. Franziskus geweihten Ort, um vor der Welt, jeder entsprechend seiner eigenen �berzeugung, vom transzendenten Wert des Friedens Zeugnis zu geben. Die Form und der Inhalt unserer Gebete sind sehr verschieden, wie wir gesehen haben, und es kann keine Frage sein, sie auf eine Art gemeinsamen Nenner zu reduzieren. Dennoch haben wir in dieser tats�chlichen Verschiedenheit vielleicht neu entdeckt, da� es hinsichtlich des Friedensproblems und seiner Beziehung zur religi�sen Verpflichtung etwas gibt, was uns miteinander verbindet.

Es gibt keinen Frieden ohne eine leidenschaftliche Liebe f�r den Frieden. Es gibt keinen Frieden ohne eine unnachgiebige Entschlossenheit, den Frieden auch zu erlangen. Der Friede wartet auf seine Propheten. Wir haben gemeinsam unsere Augen mit Friedensvisionen gef�llt: sie setzen Kr�fte frei f�r eine neue Sprache des Friedens, f�r neue Gesten des Friedens, Gesten, welche die verh�ngnisvollen Ketten der Entzweiungen zerbrechen, die von der Geschichte ererbt oder durch moderne Ideologien geschmiedet worden sind.

Der Friede wartet auf seine Erbauer.

Der Friede ist eine Werkstatt, die allen offensteht, nicht nur Fachleuten, Gebildeten und Strategen. Der Friede ist eine universale Verantwortung: er verwirklicht sich durch Tausende kleiner Handlungen im t�glichen Leben. Durch die Art ihres t�glichen Zusammenlebens mit anderen entscheiden sich die Menschen f�r oder gegen den Frieden.

In diesem Geist bitten wir die F�hrer der Welt davon Kenntnis zu nehmen, da� wir Gott dem�tig um Frieden anflehen. Aber wir bitten sie auch, ihre Verantwortungen zu erkennen, sich selbst der Aufgabe des Friedens ganz zu widmen, Strategien des Friedens mit Mut und Weitblick zu verwirklichen.

La�t mich nun zu einem jeden von euch zur�ckkommen, den Vertretern der christlichen Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften und Weltreligionen, die ihr zu diesem Gebetstag nach Assisi gekommen seid, fastend und pilgernd. Ich danke euch noch einmal, da� ihr meine Einladung angenommen habt, zu diesem Zeugnisakt vor der Welt hierherzukommen.

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