Kurz vor dem Gedenken an Modesta Geschichten und Zahlen über Obdachlose in Rom
28. Januar 2011
Während in diesen Tagen der großen Kälte die Obdachlosen besonders betroffen sind, erinnert die Gemeinschaft Sant'Egidio durch Liturgien und Gebeten in Rom und anderen Städten an viele Menschen, die durch Schwierigkeiten im Leben auf der Straße gelandet sind. Termine (it)
Das Gedenken an die Verstorbenen wird jedes Jahr angefangen mit dem Tod von Modesta Valentina neu begangen, die auf der Straße lebte und am 31. Januar 1983 am Bahnhof Termini starb. Sie fühlte sich unwohl, wurde jedoch nur deshalb nicht behandelt, weil sie Läuse hatte.
Ihr Tod hat die Freundschaft der Gemeinschaft Sant'Egidio zu den Obdachlosen entscheidend geprägt.
Kurz vor dem Gedenken an Modesta hier einige Überlegungen.
Die Geschichte von Nereo >>

Die Geschichte von Carmelo >>
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Im vergangenen Winter starben in Rom auf der Straße sieben Obdachlose. Erst vor kurzem starben in Ostia im Zentrum an der Küste ein 41jähriger Rumäne, den man im Pinienhain fand, ein 41jähriger Pole und ein Tunesier, dessen Leiche man in einer Strandkabine am Meer fand.
Zuletzt starb in Rom Giuseppe Scarcella auf der Straße, der am 31. Januar 60 Jahr alt geworden wäre und am 23. Januar in Viale Giulio Cesare nicht weit von der Piazza Risorgimento gefunden wurde.
In Rom leben ca. 6.000 Menschen obdachlos.
Im Winter können ca. 2.700 Personen in Unterkünften der Stadt oder von ehrenamtlichen Vereinigungen die Nacht verbringen, und zwar:
• 1500 in Pfarreien, bei ehrenamtlichen Vereinigungen, bei Orden
• 1200 in städtischen Unterkünften, von denen 600 nur bei Kältenotstand öffnen
• 2300 finden keine Unterkunft und schlafen auf der Straße oder in Notunterkünften
• 1000 leben in provisorischen Räumlichkeiten am Stadtrand
Ca. 15% sind Frauen, 80% sind Ausländer. Davon sind ca. 2.000 Personen Flüchtlinge, Asylbewerber oder "Dubliner". Mit dieser Wortschöpfung sind Personen gemeint, die von der internationalen Vereinbarung von Dublin betroffen sind; es handelt sich um Personen, die in Italien politisches Asyl beantragt haben, dann in ein anderes Land, das die Vereinbarung unterzeichnet hat, ziehen und wieder nach Italien abgeschoben werden.
Auch in diesem Jahr hat die Gemeinschaft Sant'Egidio in der Kälteperiode in Trastevere eine zusätzliche Unterkunft als sofortige Antwort auf die harten Temperaturen geöffnet.
Das Zentrum stellt ca. zwanzig Betten zur Verfügung und kann im Winter Menschen aufnehmen, die normalerweise in Trastevere auf der Straße leben.
Die Öffnung verfolgt das Ziel, Gefahren für Leben und Gesundheit von Personen zu vermeiden, die durch schwierige Bedingungen des Obdachlosendaseins sowieso schon geschwächt sind.
Im vergangenen Jahr konnten über 50 Personen dadurch Schutz finden. Für jeden von ihnen war diese Gastfreundschaft ein erster Schritt zur Wiedereingliederung, sodass sie nicht wieder auf die Straße zurückgekehrt sind. Die Unterkunft im Winter rettet konkret das Leben derer, die auf der Straße schlafen.