Im Konferenzraum der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom fand die Tagung "die Armen sind der kostbare Schatz der Kirche: Orthodoxe und Katholiken auf dem Weg der Nächstenliebe" statt, an dem Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche teilnahen.
Ein zahlreiches und aufmerksames Publikum im überfüllten Tagungssaal und auch in den über Video verbundenen Nebenräumen verfolgte die Arbeiten dieser Tagung, die ein Thema der verschiedenen christlichen Traditionen zur Sprache brachte, das - wie erwähnt wurde - ein unumgängliches Element der christlichen Identität und ein Faktor der Einheit der Kirche darstellt.
"Wir Christen der verschiedenen Konfessionen sind schon in der Liebe zu den Armen vereint". Denn Andrea Riccardi betonte, dass diese Liebe auch auf die tiefen Fragen der Männer und Frauen unserer Zeit eine Antwort gibt: "Wir leben in einer schwierigen Zeit. Viele Menschen leiden in den reichen Ländern unter der Wirtschaftskrise, die die Armut vergrößert. Es gibt nicht nur happy days. Im Süden der Welt leiden viele in den armen Ländern. Die Solidarität im Bereich des Marktes wird durch die Wirtschaftskrise und den Wettbewerb schwächer... Es geht immer weniger um die Frage, wie man die Armen verteidigen kann, und immer mehr darum, wie man sich vor den Armen verteidigen kann. Ja, sich vor den Armen verteidigen! In einer Gesellschaft, in der die Wirtschaft zum Maßstab des Urteilens wird, ist der Arme bedeutungslos... So werden die Armen unsichtbar, sie treten nicht in Erscheinung. Die alten Menschen (es ist ein großes Geschenk unserer Zeit, dass die Zahl der Lebensjahre ansteigt, was den Traum von Jahrhunderten verwirklicht) werden aus den Familien vertrieben und sterben allein in Heimen, ungesehen. Kranke, Gefangen sind außerhalb unseres Blickes. Die Bettler werden aus den Stadtzentren vertrieben, weil sie das Umfeld hässlich machen. Die Armen machen keine Schlagzeilen. Die Medien vergessen die Armut schnell: das ist der Fall bei Haiti, das nach der richtigen Medienaufmerksamkeit in den ersten Tagen nach dem schrecklichen Erdbeben vergessen ist".
Im Vortrag des Metropoliten Filaret von Minsk, vom Moskauer Patriarchat, der darauf hinwies, dass die Werke der Nächstenliebe nach dem Ende des Sowjetregimes in den orientalischen Kirchen wieder aufgeblüht sind, kam ebenfalls diese Sorge zum Ausdruck: "In den Sprachen der heutigen Gesellschaft verschwinden die Worte "Nächstenliebe" und "Wohltätigkeit" Schritt für Schritt aus dem Sprachgebrauch und nehmen einen etwas archaischen Klang an".
Viele Stimmen aus dem Osten und Westen haben an diesem Tag einen Beitrag zum Thema geleistet. Hier sind einige Bilder:
Fotogallerie (erster Teil) 
Fotogallerie (zweiter Teil) 
9.30 Uhr
DIE NÄCHSTENLIEBE ALS SPIRITUELLES FUNDAMENT FÜR DIE ZUKUNFT

Vorsitz
Vincenzo Paglia
Bischof von Terni-Narni-Amelia
Die Nächstenliebe: Theologie und Leben der orthodoxen Kirchen
Filaret
Metropolit von Minsk und Sluck, Patriarchatsexarch von ganz Weißrussland, Patriarchat von Moskau
Die Nächstenliebe: eine Vision für das Christentum im 21. Jahrhundert
Andrea Riccardi
Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio
Die Nächstenliebe in der Vision der Katholischen Kirche
Roger Etchegaray
Kardinal, Vizedekan des Heiligen Kollegiums
Kaffeepause
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11.30 Uhr
WER GOTT LIEBT, LIEBT DIE ARMEN

Vorsitz
Filaret
Metropolit von Minsk und Sluck, Patriarchatsexarch von ganz Weißrussland, Patriarchat von Moskau
Gott liebt die Armen: Wort Gottes und Nächstenliebe
Ambrogio Spreafico
Bischof von Frosinone-Ferentino-Veroli
Sakrament der Eucharistie, Sakrament des Armen: Liturgie und Nächstenliebe
Antonij
Erzbischof von Borispol, Rektor der theologischen Akademie von Kiev, ukranisch-orthodoxe Kirche
Zwei große Bischöfe und die Armut: Basilius von Cäserea und Gregor der Große
Innocenzo Gargano
Prior des Klosters San Gregorio al Celio in Rom
Das Mönchtum und die Armen
Iosif
Metropolit von Westeuropa, Patriarchat von Rumänien
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15.30 Uhr
DER WEG DER NÄCHSTENLIEBE

Vorsitz
Vittorio Ianari
Gemeinschaft Sant'Egidio
Heilige, Freunde der Arme
Laurenţiu
Metropolit von Sibiu, Patriarchat von Rumänien
Unsere armen Geschwister: das Leben der Gemeinschaft Sant'Egidio
Maria Cristina Marazzi
Gemeinschaft Sant'Egidio
Kirche, Stadt, Arme: Geschichte eines Bündnisses
Vincenzo Paglia
Bischof von Terni-Narni-Amelia
Die Väter und die Armen
Zoran Nedeljkovic
Direktor der Bibliothek des serbisch-orthodoxen Patriarchats
Kaffeepause
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17.30 Uhr
DIE NÄCHSTENLIEBE IN DER STADT

Vorsitz
Marco Impagliazzo
Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio
Die Kirche und die neue Armut: ein Blick aus Moskau
Arkadij Šatov
Erzpriester, Präsident des Synodalamtes für Caritas und soziale Dienste, Patriarchat von Moskau
Ein Blick auf die Stadt ausgehend von den Armen
Marco Gnavi
Gemeinschaft Sant'Egidio
Die soziale Situation im neuen Rußland
Werner Gumpel
Universität München
Die Kirche und die neue Armut: ein Blick aus Bukarest
Nicolae Dima
Berater des Patriarchen, Patriarchat von Rumänien
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