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18 Juli 2014

Die Kirche kann viel tun

Aleppo als Symbol für ganz Syrien: Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, ruft zur Hilfe für die geschundene Stadt auf. Von Regina Einig

 
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Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, hat sich im Juli mit einen Appell für Aleppo an die Öffentlichkeit gewandt. Im Juli 2012 begann die sogenannte „Schlacht von Aleppo“ in der bevölkerungsreichsten Stadt Syriens. Darin erinnert er daran, dass die Stadt heute in Ruinen liegt und geteilt ist: Die meisten Viertel sind in Händen von regierungstreuen Kräften, aber es gibt auch von Rebellen kontrollierte Zonen. Die Menschen können die von der Opposition vollständig eingekesselte Stadt nicht verlassen, in der sich auch unnachgiebige Fundamentalisten befinden. Wenn Christen die Regierungszonen verlassen, setzen sie ihr Leben aufs Spiel. Das haben die beiden Bischöfe von Aleppo, Gregorios Ibrahim und Paul Yazigi erlebt, die seit über einem Jahr entführt sind. Aleppo ist die drittgrößte „christliche“ Stadt der arabischen Welt nach Kairo und Beirut. Das Interview führte Regina Einig.

Herr Professor Riccardi, seit zwei Jahren erreichen uns überwiegend Schreckensmeldungen aus Syrien. Was erhoffen Sie sich von Ihrem Appell für Aleppo? An wen ist er gerichtet?
Der Appell möchte ein verbreitetes Gefühl der Unmöglichkeit aufrütteln, etwas tun zu können, da die Situation in Syrien mittlerweile verwickelt ist und wir weitere Jahre voller Gewalt hinnehmen müssen bis hin zu einer Aufsplitterung dieses Landes. Heute wird von 170 000 Toten, Millionen Flüchtlingen und Millionen von Männern, Frauen und Kindern gesprochen, die Geißeln eines Krieges sind, der schon im dritten Jahr fortdauert. Das Leiden des syrischen Volkes und der Bürger von Aleppo darf nicht ins Vergessen geraten. Ich wende mich an alle, an die Regierungen, internationale Organisationen, Religionsoberhäupter, Gläubige und Menschen guten Willens: alle können etwas tun. Eine Mobilisierung des Gewissens aller ist notwendig. Ich möchte viele Stimmen, die vor diesem Todesringen nicht resignieren wollen, zu einer einzigen Stimme vereinen. Doch das ist nicht nur eine Frage des Gewissens. Der Appell muss in konkretes Handeln umgesetzt werden, um Menschenleben zu retten. Deshalb hat die Gemeinschaft Sant’Egidio auch eine Spendenaktion für die syrischen Flüchtlinge ins Leben gerufen.

Gibt es derzeit für die eingeschlossene Bevölkerung eine realistische Überlebenschance?
Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich glaube, dass in der Geschichte eine Stadt manchmal zu einem Symbol für ein Volk, für einen Konflikt werden kann, wie das bei Sarajevo im Balkankonflikt der Fall war. Aleppo hat erlebt, dass seine Bevölkerung in den vergangenen Monaten drastisch gesunken ist. Wer bleibt, riskiert täglich den Tod durch die Kämpfe und durch Überfälle der Milizen, durch Bombardierungen. Man leidet Durst, es gibt keine Medikamente. Es muss eine Möglichkeit geschaffen werden, die Stadt bei Bedarf in Sicherheit verlassen zu können. Das gilt insbesondere für die Christen, die ganz besonders gefährdet sind, weil sie in den Regionen der Stadt leben, die an das von den Islamisten kontrollierte Gebiet grenzen. Ich erinnere daran, dass es seit über einem Jahr keine Nachricht von den beiden entführten Bischöfen von Aleppo gibt, den syrisch-orthodoxen Bischof Mar Gregorios Ibrahim und den griechisch-orthodoxen Bischof Paul Yazigi. Diese beiden Männer stehen für die historische Berufung zum Dialog und Zusammenleben der Stadt Aleppo; sie sind gute Freunde und seit Jahren unsere Begleiter auf dem Weg des „Geistes von Assisi“, den die Gemeinschaft Sant’Egidio nach dem historischen Treffen weiterträgt, das Johannes Paul II. 1986 in der Stadt des heiligen Franziskus einberufen hatte. Ich denke auch an den römischen Priester Paolo Dall’Olio und andere Entführte. Alle Gemeinschaften von Sant’Egidio weltweit beten jeden Abend für ihre Freilassung, weil wir von der historischen Kraft des Gebetes überzeugt sind.

Nicht alle Hilfsorganisationen dringen derzeit zu den notleidenden Menschen durch. Welche Maßnahmen stehen aus Ihrer Sicht nun als erste an?
Ich möchte ein Lob auf die Bemühungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz aussprechen, das durch eine geduldige Vermittlung in die Stadt kommen und der Bevölkerung Hilfsgüter übergeben konnte, das gelang auch in Aleppo. Vor einigen Tagen hat der Sicherheitsrat der UNO eine wichtige Resolution mit Einstimmigkeit verfasst, die humanitären Organisationen in vier neuen Grenzkorridoren Zugang gewähren soll auch ohne Zustimmung des Regimes von Damaskus. Diese Anstrengungen müssen unbedingt fortgesetzt werden und alle vor Ort betroffenen Kräfte einbezogen werden, damit den unparteiischen und neutralen humanitären Organisationen ein sicherer Zugang zum Land gewährt wird und ihre Hilfe wirklich die zermürbte Bevölkerung erreicht.


Kann es eine auf Aleppo zugeschnittene Lösung geben, solange die Lage in Syrien insgesamt instabil ist?
Aleppo kann und muss ein Symbol für ganz Syrien darstellen. Wir beginnen mit dieser antiken und schönen Stadt, dem tausendjährigen Beispiel für das Zusammenleben der Religionen und Völker! Wir dürfen uns nicht einfach damit begnügen, die strategischen und operativen Probleme aufzuzählen. Natürlich ist es schwierig für jeden, die Tätigkeit aller bewaffneten Gruppen im Land akkurat zu rekonstruieren; dazu kommt das Gespenst eines gewalttätigen religiösen Extremismus, mit dem ein Gespräch unmöglich erscheint. Dieser Extremismus hat die Grenzen Syriens überschritten und breitet sich im Irak aus, auch mit der neueren Eroberung von Mossul, der Hauptstadt der autonomen Provinz Ninive, der irakischen Region mit der größten Zahl verbliebener Christen in diesem Land. Die ganze Region ist in Aufruhr. Das ist ein Beweis, dass der syrische Konflikt nicht auf Syrien beschränkt bleibt. Ich frage mich: Wie sieht das Schicksal der Christen aus? Wie sieht das Schicksal der gesamten Region aus? Es müssen weitere Versuche unternommen werden, es muss bis zum Erfolg verhandelt werden, Lösungen gesucht und Druck auf die kämpfenden Gruppen und auf die beteiligten Länder ausgeübt werden: von der Türkei bis Russland. Die Flüchtlinge benötigen Hilfe, internationale Solidarität muss geleistet werden. Fangen wir unabhängig von politischen Erwägungen über die Zukunft des Landes und dem heiklen Gleichgewicht in der Region mit Aleppo an durch eine große Mobilisierung, auch um zu beweisen, dass man etwas tun kann!

Welche Einflussmöglichkeiten hat die Kirche in dieser schwierigen Situation?
Die Kirche kann viel tun. Ich denke an die Gebetswache von Papst Franziskus in einem Augenblick, als alle ein militärisches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft erwartet haben, das schwer wiegendste Folgen auf regionaler und globaler Ebene gehabt hätte. Seine Worte haben einen Prozess entschärft, der unumkehrbar erschien! Ich spreche nicht nur über die katholische Kirche ... Aleppo muss in den Genuss der gemeinsamen Hilfsanstrengungen aller Kirchen und Konfessionen kommen, die in dieser Stadt seit Jahrhunderten leben und beten. Ich denke an die Assyrer, die griechisch-orthodoxen Christen, die Armenier ... Es gibt auch eine Verantwortung der Christen in Europa, aller Konfessionen überall, wo sie leben. Sie dürfen nicht untätig bleiben angesichts der Nachrichten von Massakern an ihren syrischen Geschwistern. Etwas wurde getan, doch noch viel mehr muss getan werden!


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