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Dankgottesdienst zum 50. Jahrestag der Gemeinschaft Sant’Egidio

10. Februar um 17.30 Uhr in der Lateranbasilika des Hl. Johannes

Die ersten Personen sind 2018 durch die humanitären Korridore in Italien angekommen. Die neue Phase des Projektes, das zum Modell der Gastfreundschaft und Integration für Europa geworden ist


 
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13 September 2011 15:00 | Stadtmitte

Meditation über Markus 10, 42-45 von Präses Nikolaus Schneider

Nikolaus Schneider


Präses der Evangelischen Kirche von Deutschland

Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn Jesus Christus sei mit uns allen. Amen

„Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen:
Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“

Drei Gedanken aus diesem Evangeliumstext will ich für uns heute beleuchten und fruchtbar werden lassen.

 Zum Ersten:
Hören wie noch einmal die realistische Weltsicht des Gottessohnes:
„Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht!“

Ganz nüchtern stellt Jesus hier fest, wie es auf unserer Welt im Normalfall zugeht:
Unterdrückung und Ausbeutung sind das gewöhnliche Schicksal gewöhnlicher Menschen.
Herrschaft wird genutzt, um die eigene Position zu sichern.
Herrschaftliche Positionen sind normalerweise die Plätze an den Fleischtöpfen. Und der kleine Kreis der Eliten sichert sich dabei gegenseitig ab, diese gesellschaftliche Stellung zu behalten und auszubauen.
Das war damals so. Und es ist bis heute vielfach zu beobachten auf dieser Welt.

Diese Form der Herrschaft, der Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen kennzeichnet aber die christliche Gemeinde nicht. 
Jesus moralisiert nicht und macht kein schlechtes Gewissen.
Er stellt einfach fest: So ist es unter euch nicht.
 
Jesus verändert durch  Zutrauen.
Jesus fordert nicht, sondern er sagt den Seinen zu:
‚Ihr seid eine Gemeinschaft, die von der Liebe und der Zuwendung Gottes zu euch und von eurer Liebe und Zuwendung zu einander bestimmt ist.’
Im Vertrauen auf dieses Wort Jesu und auf diese Zusage gilt:
Ein neues Verhalten von uns Menschen und neue Verhältnisse zwischen uns Menschen sind möglich.
Und diese Möglichkeit wird zur Wirklichkeit, wenn wir uns durch das Vorbild Jesu und Gottes Geist inspirieren und bewegen lassen.

Zum Zweiten:
Auch für unser heutiges Denken und für unseren heutigen Glauben ist das „Wort vom Kreuz“ noch immer und immer wieder neu ein „Ärgernis“.
Wie gern möchten wir manchmal Jesu Leiden und Sterben aus unserer Theologie und das alltägliche Leiden und Sterben aus unserem Leben verdrängen.
Das Leiden und Sterben Jesu Christi und das Leiden und Sterben der Menschen dieser Welt gehören aber untrennbar zu unserem Glauben.

Christlicher Glaube ist und will doch weit mehr als „Wellness der Seele“.
Das Evangelium verspricht uns gerade nicht eine immerwährende „Leichtigkeit des Seins“ auf dieser Erde.

Das Evangelium von Jesus Christus ist gerade deshalb „frohe Botschaft“, weil es uns Gottes Gegenwart und Nähe auch in dunklen Tagen und inmitten unserer Todeserfahrungen zusagt.
 
Der Weg in die Herrlichkeit Gottes war für Jesus ein Leidensweg.
Dieser Weg verdrängte das Leiden und Sterben nicht.
Jesus nahm sein Leiden und Sterben bewusst auf sich.
Das galt dann auch für seine Nachfolger und Nachfolgerinnen damals, und es gilt auch für uns heute:
Es gibt kein Ostern ohne Karfreitag!
Der Weg zur Auferstehung führt durch den Tod!

Und zum Dritten:
Das Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen des Gottessohnes dient der Erlösung der Menschen!
Obwohl er der Sohn Gottes, des Herrn aller Herren ist, verzichtet Jesus auf eine königliche Herrschaftsstellung.
Jesus weiß sich von Gott, seinem Vater zum Dienen gesandt und bestimmt.
„Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtgestalt an.“, so bekennt es der Philipper-Hymnus.
 
„Dienst“ ist das entscheidende Stichwort zur Kennzeichnung des Lebens- und des Leidensweges Jesu, und zwar als ein Dienst zur Erlösung und Befreiung aller Menschen.

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“, so erklärt Jesus hier in diesem Markustext seinen Lebens- und Leidensweg.

Jesus überwindet das Böse nicht mit Bösem.
Jesus überwindet die absolute Macht aller Todesgewalten durch seinen Tod am Kreuz.
Durch die Auferweckung Jesu von den Toten offenbart uns Gott:
Der Weg des Dienens und nicht der Weg des Beherrschens ist Gottes Heilsweg für die Welt und für die Menschen.

Der Weg Jesu, der Weg der Liebe und des sanften Mutes, der Weg des Friedens und der Barmherzigkeit ist der Weg des Lebens – auch für uns.
Dieser Weg führt zum ewigen Leben!

Auf diesem Weg können wir das Leben feiern trotz und inmitten aller Todeserfahrungen in unserer kleinen und großen Welt.
Denn Gott hat uns in Jesus Christus ein für alle mal deutlich gemacht, dass der Tod nicht das letzte Wort über Jesu Leben war – und dass der Tod auch nicht das letzte Wort über unser Leben haben wird, wenn wir unser Leben an den Auferstandenen binden.
 
Jesus Christus hat uns mit seinem Dienst gleichsam wie „mit Lösegeld freigekauft“ von all unseren zum Scheitern verurteilten Versuchen der Selbsterlösung:
von Todesverdrängung und Unsterblichkeitswahn,
von  innerem Zwang zur Selbstüberhebung
und  von rücksichtsloser Selbstbehauptung.
Wir müssen andere nicht beherrschen, niederhalten und ausbeuten, um unser Leben als „reich“ und „gelungen“ zu erfahren.
Wir sind erlöst und befreit, von dem egozentrischen Streben nach Ehrenplätzen, äußeren Erfolgen und von den beziehungstötenden Kämpfen um Anerkennung und Selbstrechtfertigung.
Wir müssen angesichts von Misserfolgen und schuldhaftem Versagen nicht in Resignation versinken und tatenlos dem Treiben dieser Welt zusehen.
Wir können den Dunkelheiten unseres eigenen Lebens und den Todesmächten dieser Welt mit offenen Augen begegnen und müssen dennoch nicht aufhören, zu glauben, zu hoffen und zu lieben!
Wir können anderen Menschen in all unserer Unvollkommenheit zum Nächsten werden.
Und wir können unsere begrenzte Kraft, unsere Phantasie und unsere je besonderen Gaben und Begabungen für den Dienst am Nächsten und für den Dienst in unseren Gemeinwesen einsetzen.

So soll es sein unter uns,
in unseren familiären und freundschaftlichen Beziehungen,
in unseren Gemeinden und Kirchen und auch in der weltweiten Ökumene!
Denn dazu  hat der Gottessohn sein Leben gegeben und uns erlöst.
Dazu segne uns Gott! Amen


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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