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28 Nëntor 2015

Würzburg

Heute vor 74 Jahren: Deportation der ersten Würzburger Juden

 
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 Gedenken an den Holocaust

 

 

 

 

 

Ein paar hundert Menschen erinnerten am Donnerstag in Würzburg an die Opfer des Holocaust. DANIEL PETER

 

 

 

 

 

 

Rund 400 Menschen machten sich am Donnerstag auf den Weg vom Würzburger Domvorplatz zum Stadttheater, um der Deportation der ersten 202 von insgesamt 2000 Würzburger Juden am 27. November 1941 zu gedenken. Der Gedenkmarsch wird seit 15 Jahren von der Gemeinschaft Sant'Egidio und der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg organisiert.

Die Reden in diesem Jahr standen ganz im Zeichen des Flüchtlingszustroms und der jüngsten Terroranschläge. „Heute sind so viele Menschen auf der Flucht wie noch nie“, konstatierte Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg. Wie damals im Dritten Reich die jüdische Menschen, würden Menschen auch heute wieder vor Krieg und Verfolgung fliehen: „Auch ihnen wurde häufig die Existenzgrundlage entzogen.“

Zu Recht wird Schuster zufolge in Deutschland gerade darüber debattiert, wie die Zuwanderung der Flüchtlinge bewältigt werden könne: „Es gibt Ängste, ob wir das wirklich schaffen.“ Gerade in den jüdischen Gemeinden werde die Frage laut, welchen Werten sich die Flüchtlinge verbunden fühlen: „Wir Juden fragen uns, ob Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak, unabhängig von ihrer Religion, von ihrer israelfeindlichen Heimat sehr stark geprägt wurden.“

Das erfülle die Menschen seiner Gemeinde mit Sorge. Zumal islamistische Terroristen mit ihren verheerenden Anschlägen darauf abzielen, das friedliche Miteinander der Religionen in den westlichen Demokratien zu zerstören: „Doch diesen Gefallen werden wir ihnen nicht tun. Wir unterscheiden zwischen Terroristen und friedlichen Muslimen.“

Die Pegida-Aufmärsche zur „Rettung des christlichen Abendlands“ wiederum hätten mit dem Christentum „wahrlich nichts zu tun“: „Sie schüren Hass und Menschenverachtung, sie grenzen Menschen aus und tragen zu einer ganz und gar intoleranten Haltung bei.“ Deshalb sei er den christlichen Kirchen dankbar, so Schuster, dass auch sie die Pegida-Demonstrationen klar verurteilten.

Die jüdische Gemeinde sei gerne bereit, ihre Erfahrung mit der Integration von Zuwanderern einzubringen: „Wir bestehen zu 90 Prozent aus Menschen, die erst vor 25 Jahren nach Deutschland eingewandert sind.“ Diese Menschen erinnerten sich sehr genau daran, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht.

Auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt bezog sich in seiner Ansprache auf die jüngsten Ereignisse. „Wir stehen noch immer unter dem Eindruck der schrecklichen Mordanschläge des Islamischen Staates in Paris“, erklärte er: „In dieser Situation dürfen wir es nicht zulassen, dass Menschen, die vor Krieg und Terror zu uns fliehen, wegen ihres Glaubens unter Generalverdacht gestellt werden, mit den Terroristen zu sympathisieren.“ Was der „vorgeblich Islamische Staat“ propagiere, sei ein Zerrbild des Islam: „Der islamistische Terror ist eine Bedrohung für uns alle, weil er wahllos Christen, Juden und Muslime töten will. Deshalb müssen wir dieser Bedrohung gemeinsam begegnen.“

Matthias Leineweber von der Gemeinschaft Sant'Egidio appellierte an die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung, gegen jede Form von Intoleranz, Ausgrenzung und Rassismus vorzugehen. „Wir möchten zusammenstehen, junge und alte Menschen, Menschen aller Kulturen und Religionen und Weltanschauungen“, so der Pfarrer. Nur der Frieden könne die Zukunft sichern, Gewalt oder Krieg könnten dies niemals. Leineweber: „Gemeinsam wollen wir die Kultur des Zusammenlebens aufbauen, damit niemand mehr ausgegrenzt, verachtet, verfolgt und vernichtet wird.“

Was es bedeutet, im Krieg leben zu müssen, davon berichtete Liza Zamani, die aus Gedenken an den HolocaustAfghanistan stammt und seit fünf Jahren mit ihrem Mann und ihren sechs Kindern in Deutschland lebt. „Ich bin nach Deutschland gekommen, weil in meinem Land seit fast 40 Jahren Krieg herrscht“, sagte sie. Die Ausgrenzung von Minderheiten sei in ihrer Heimat an der Tagesordnung, viele Freiheiten würden nicht garantiert: „Das hat meine Familie nicht länger ausgehalten.“

Hier in Würzburg wolle sie sich mit der Gemeinschaft Sant'Egidio für die Freundschaft und das Zusammenleben der Religionen und Kulturen in der Stadt einsetzen. Denn gerade als muslimische Frau lehne sie Grausamkeit und Gewalt, wie jene der Pariser Terroristen, entschieden ab: „Mein Glaube ruft mich auf, jeden zu respektieren, denn der Islam ist eine friedliche Religion.“


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